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Stadtschreiber

Ausschreibung für 2020

Wir freuen uns, die erste Stadtschreiberin in Bonn bekanntgeben zu können: Julia von Lucadou

Radiopodcast (WDR 3 Kulturmagazin Mosaik) über die Stadtschreiberin:
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-mosaik/audio-eine-stadtschreiberin-fuer-bonn-100.html

Auszug aus dem GA-Artikel von Ebba Hagenberg-Miliu, 01.08.2018, zum ganzen Artikel

»… 35 deutschsprachige Autoren haben sich in den vergangenen Wochen beworben, erster Stadtschreiber Bonns zu werden. Gut die Hälfte von ihnen waren „bundesweit arrivierte Autoren mit Buchveröffentlichungen in mehreren Verlagen“, wie Barbara Ter-Nedden und Serap Gürkan vom Ausrichterverein Lese-Kultur Godesberg erläutern. Die Wahl der Jury fiel dann aber einstimmig auf eine Frau, die ganz aktuell mit ihrem Debütroman die großen deutschen Feuilletons beschäftigt: auf die 36-jährige, in Heidelberg geborene Julia von Lucadou.

Ihr dystopischer, also zukunftspessimistischer, Roman „Die Hochhausspringerin“ habe auch die Bonner Jury fasziniert, weil er gleichzeitig so realitätsnah mit seinen Hauptthemen Big Data, zwanghafte Selbstoptimierung und gläserner Angestellter umgehe, führen Ter-Nedden und Gürkan aus. „Der Roman zeigt das bemerkenswerte literarische Potenzial der Autorin.“ Die Feuilletons loben ihrerseits die Genauigkeit der Beschreibung, die makellose Sprache und insgesamt den Orwell’schen Blick dieses „verstörend prophetischen Erstlingsromans“ (Berliner Zeitung).

Die hiesige Jury habe sich aber auch von der Persönlichkeit Julia von Lucadous beeindrucken lassen, sagt Ter-Nedden: Die promovierte Filmwissenschaftlerin sei Kosmopolitin, die sich in New York, Köln und der Schweiz gleichermaßen zu Hause fühle – und die sich schon vor ihrem Antritt am 1. November dieses Jahres sehr interessiert an Bonn und am Stadtteil Bad Godesberg zeige. Was von Lucadou, die im Villenviertel wohnen wird, auf GA-Anfrage auch gerne bestätigt. „Ich finde Brüche, Veränderung inspirierend. Und Bonn ist so ein Ort der Veränderung. Ich bin sicher, dass man gerade im Bad Godesberger Boden noch viele alte Hauptstadtspuren findet und gleichzeitig ganz viel Neues, viele frische Knospen“, antwortet sie. Ihren kreativen Freiraum werde sie hier gerne nutzen. „Ich möchte ein neues Projekt beginnen, vielleicht einen zweiten Roman, vielleicht aber auch etwas ganz anderes. Mal sehen, wozu mich Bonn inspiriert. …«

 

Mit Freuden dürfen wir auch Thomas de Padova als zweiten Stadtschreiber hier in Bonn begrüßen.

Auszug aus dem GA-Artikel von Ebba Hagenberg-Miliu, 18.05.2019, zum ganzen Artikel

»… Was Leonardo da Vinci und Albrecht Dürer mit drei weitgehend unbekannten Zeitgenossen, dem Theologen Michael Stifel sowie den Wissenschaftlern Johannes Müller und Girolamo Cardano, gemein haben? Sie verhalfen in der Renaissance der bis heute verbindlichen Bild- und mathematischen Formelsprache zum Durchbruch, sagt der Berliner Schriftsteller Thomas de Padova. Folgerichtig hat er die fünf zu den Protagonisten seines neusten Buches „Alles wird Zahl“ gemacht, dessen Untertitel „Wie sich die Mathematik in der Renaissance neu erfand“ die Erzählrichtung vorgibt: De Padova, der einst auch in Bonn Physik und Astronomie studierte, will zeigen, dass seit dem 16. Jahrhundert bis heute überall die Mathematik „die Wirklichkeit in komprimierter Form abzubilden imstande ist.“ Dass selbst ein Leonardo und ein Dürer die Pinsel liegen ließen, um sich in Ellipsen und Vielecke zu vertiefen – und daraus begeistert Erkenntnisse zu schöpfen.

2018 hatte der heute 55-Jährige mit dem Roman „Nonna“ der mediterranen Historie seiner Vorfahren väterlicherseits poetisch nachgespürt: Seine tiefschwarz gekleidete, störrische Großmutter, die „Nonna“, öffnete darin dem Enkel die Augen für das Schicksal einsamer apulischer Frauen. Deren Männer waren immer wieder aufgebrochen, um in den USA oder Deutschland ihr Glück zu versuchen.

Für den brillanten, teils autobiografischen Roman hatte der Verein Lese-Kultur Godesberg de Padova 2019 das dreimonatige Literatur­stipendium des Bonner Stadtschreibers verliehen. Direkt am Rhein arbeitete der Autor dann im Herbst 2019 am nächsten Projekt, eben dem aktuellen Buch über kultur- und wissenschaftshistorische Umwälzungen der Renaissance. Und mit diesem knapp 400-Seiten-Werk wird de Padova erneut seinem Ruf als ebenso faktensicherer wie sinnlich schildernder Wissenschaftsjournalist gerecht. 2015 schon hatte seine Einstein-Biografie „Allein gegen die Schwerkraft“ diesen Stil gepflegt, indem er die fünf entscheidenden Jahre des Physik-Genies vor dem Hintergrund des pazifistischen Engagements beleuchtete. …«


Ulla Lenze ist unsere dritte Stadtschreiberin! Es ist uns eine große Ehre ihr in Bonn die zweite Heimat auf Zeit zu stellen.

Auszug aus dem GA-Artikel von Ebba Hagenberg-Miliu, 24.10.2020, zum ganzen Artikel

»… Konzentriert tippt Ulla Lenze eine Passage ihres kommenden Romans in den Laptop. Von ihrem derzeitigen Schreibtisch im Villenviertel aus blickt Bonns aktuelle Stadtschreiberin auf die letzten Blüten eines Magnolienbaums. Vor den Erkern und Balkönchen der Gründerzeithäuser in der Straße rieselt herbstbuntes Laub herunter. In verwunschenen Gärten ranken wilde Rosen. „In diesem idyllischen Viertel erinnere ich mich an meine Kindheit und die Studentenzeit im Rheinland“, sagt die 47-jährige Erfolgsautorin, die aus Mönchengladbach stammt, in Köln Musik und Philosophie studierte und seit zehn Jahren in Berlin wohnt. Der Aufenthalt in Bonn komme ihr einerseits wie ein Ausflug in die Vergangenheit vor. „Aber natürlich hat sich Bonn auch erheblich verändert, hat sich neu finden müssen, was ich sehr spannend finde“, sagt Lenze und schildert, wie sie als Kind mit der Familie Ausflüge in die damalige Hauptstadt unternahm.

Seit dem 1. September lebt und arbeitet Lenze für drei Monate in der Rhein-nahen Stadtschreiberwohnung, die ihr vom Verein Lese-Kultur Godesberg zur Verfügung gestellt wird. Das Amt wird seit 2018 vom Verein und der Ferdinande-Boxberger-Stiftung mit 2500 Euro im Monat gefördert. Schirmherrin ist die Kulturdezernentin. „Wir geben Ulla Lenze die Möglichkeit, hier in Bonn ohne Zeitdruck und finanzielle Sorgen ihr nächstes literarisches Projekt zu verfolgen“, erklärt Barbara Ter-Nedden für den Verein. In diesem Jahr hätten sich für das Stipendium 130 Autoren beworben, „und die Wahl fiel uns schwer“. Für Lenze habe sich die Jury entschieden, weil sie ein beachtliches poetisches Werk vorgelegt habe, dem eine hohe Musikalität der Sprache innewohne. „Ausschlaggebend war aber für uns auch, dass ihr neues Buchprojekt einen Bezug zum Rheinland hat“, erklärt Ter-Nedden. …«

 

Mit viel Enthusiasmus heißen wir unseren Stadtschreiber 2021 willkommen: David Wagner

Das eigene Leben als Steinbruch für die Literatur“ – David Wagner wurde 1971 in Andernach geboren. Er wuchs im Rheinland auf und studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte in Bonn, Paris und Berlin. Er lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Berlin.

Bekannt wurde David Wagner durch seinen im Jahr 2000 erschienenen Debütroman „Meine nachtblaue Hose“, in dem er eine Kindheit im Rheinland der siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts schildert. 2009 erschienen der Roman „Vier Äpfel“, der auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis stand. Wagner leidet unter einer Autoimmunhepatitis, aufgrund derer er auf eine Lebertransplantation angewiesen war. Diese Erfahrung verarbeitet er in dem Buch „Leben“, das aus 277 durchnummerierten Miniaturen besteht und den Preis der Leipziger Buchmesse 2013 erhielt. In „Der vergessliche Riese“ 2019 schreibt David Wagner über die Demenz seines Vaters.

94 Autoren und AutorInnen haben sich für das Literaturstipendium beworben. Die Jury (Amélie Königs, Anja Stadler, Barbara Ter-Nedden, Felix Ter-Nedden) hat David Wagner den Zuschlag wegen seiner außergewöhnlichen Pointiertheit und Wandlungsfähigkeit seiner Texte gegeben. Darüber hinaus hat er einen Bezug zum Rheinland wie auch die beiden letzten Preisträger, Ulla Lenze und Thomas de Padova.